Posojilnice – Dachmarken-Gruppe
Unsere Mission
Die Posojilnica-Banken bilden gemeinsam mit der ZVEZA-BANK die starke slowenische Genossenschaftsbanken-Gruppe in Kärnten (Dachmarken-Gruppe). Die Dachmarken-Gruppe ist ein attraktiver und anerkannter Finanzpartner im Inland und im südöstlichen Alpen-Adria-Raum. Die Dachmarken-Gruppe hat die Aufgaben, die Entwicklung und Sicherung der Wirtschaftskraft und Selbstständigkeit der einzelnen Genossenschaften und Mitglieder zu fördern.
Als Bankengruppe der Kärntner Slowenen erfüllen wir unseren Auftrag zur Erhaltung und Förderung der kulturellen und zweisprachigen Identität in unserer Region.
Unsere Vision
Wir haben ein hohes Ansehen auf der Grundlage unserer gemeinsamen kulturellen und sprachlichen Wurzeln unter Einhaltung der genossenschaftlichen Prinzipien. Wir pflegen mit unserer ZVEZA-BANK einen einheitlichen Marktauftritt unter einer gemeinsamen Dachmarke (Dachmarken-Gruppe).
Wir gewährleisten eine ganzheitliche Kundenbetreuung für Privatkunden und Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) mit umfassender Lösungskompetenz in den banküblichen Finanzierungs- und Veranlagungsbereichen. Wir verfügen über eine hohe Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationskraft und schnelle Entscheidungen in einer schlanken Organisation. Wir haben eine solide Ertragskraft und betreiben ein aktives Risikomanagement zur Absicherung des Wachstums der Gruppe aus eigener Kraft. Wir sind durch gelebte Werte ein attraktiver Arbeitgeber für selbstständige und verantwortungsbewusste
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Unsere Werte
Wir leben die genossenschaftlichen Grundwerte unserer Gründer, insbesondere Solidarität und Subsidiarität. Unsere selbstständigen Genossenschaften handeln innerhalb der Dachmarken-Gruppe partnerschaftlich. In der Betreuung unserer Kunden prägen Schnelligkeit, Flexibilität und Innovation unser Handeln, die Transparenz unserer Entscheidungen ist uns ein Anliegen. Wir fördern ergebnisorientierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in einem Umfeld klarer Kompetenzen und offener Kommunikation Verantwortung übernehmen.
Mit unseren Kunden, Mitgliedern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verbindet uns das gemeinsame Interesse für die kulturelle und sprachliche Vielfalt.
Tag für Tag kommen wir mit Geld in Berührung. Es regelt unseren Lebensablauf und wir können ihm nicht entfliehen. Weshalb sollten wir auch? Für Geld können wir uns so viele gute, schöne, große und kleine Annehmlichkeiten leisten. Schon unsere Vorfahren kannten die Bedeutung dieses Zahlungsmittels. Sie widmeten ihm Lieder und auch eine Reihe von Sprichwörtern, in denen das Geld als Maßstab für bestimmte Werte genannt wird. Zu Gegenständen, die einem wertvoll waren, sagten sie: "Das verkaufe ich um kein Geld der Welt". Für Geizhälse galt das schelmische Sprichwort: "Das Geld steckt er in den Strumpf". Aber, steckten unsere Vorfahren ihr Geld wirklich in den Strumpf? Die Ludmannsdorfer antworteten mir auf diese Frage, dass sie zwar nie viel Erspartes hatten, diese Handvoll jedoch in häuslichen Verstecken aufbewahrten. Für viele waren aber schon volle Truhen Getreide ein wahrer Reichtum.
Im Jahre 1907 löste die viel sicherere Spar- und Darlehenskasse alte Strümpfe, Matratzen und andere Geldverstecke ab. Gegründet wurde sie in Köttmannsdorf für die Bewohner der Gemeinden Köttmannsdorf, Ludmannsdorf, Oberdörfel und Maria Rain. Auch in vielen anderen Orten Südkärntens begann man im selben Zeitabschnitt Spar- und Darlehenskassen zu gründen.
Die Gründung der ersten Genossenschaftsbanken war vielerorts mit sozialen Bewegungen verbunden. Die Bauern forderten auf ihren Versammlungen die Errichtung eigener Genossenschaften als Form der Selbsthilfe. Für derart entscheidende Forderungen waren die allgemeine Wirtschaftskrise und die Verschlechterung der sozialen Situation der bäuerlichen Bevölkerung maßgebend. Im Jahre 1872 wurde die erste Spar- und Darlehenskasse als Genossenschaftsbank in St. Jakob im Rosental gegründet. Den Anstoß dazu gab der Tierarzt Dr. Valentin Janežič aus Lessach bei St. Jakob. Sie war sogar das erste derartige Unternehmen im ganzen slowenischen Siedlungsgebiet. In den Genossenschafts- und Sparbüchern stand ein Wahlspruch: "Das eigene Genossenschaftswesen ist das Fundament für die wirtschaftliche Selbständigkeit eines Volkes". Im Jahre 1889 wurde die erste "Raiffeisenkasse" gegründet. Zu der Zeit gab es bereits acht Spar- und Darlehenskassen.
Das Spar- und Kreditwesen in Ludmannsdorf stand der allgemeinen Entwicklung um nichts nach. Im Jahre 1910 gründeten die Ludmannsdorfer ihre eigene Spar- und Darlehenskasse als registrierte Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung. Ihr Vorsitzender war Gregor Jerolič vlg. Kržej aus Franzendorf, ihr Schrift- und Kassaführer war der Ludmannsdorfer Pfarrer Anton Teul. Neben dem Vorsitzenden und dem Kassaführer hatte die Genossenschaft noch fünf weitere Ausschussmitglieder aus Wellersdorf, Selkach, Rupertiberg, Großkleinberg und Moschenitzen. Die Genossenschaftsorgane waren: Der Vorstand, der Aufsichtsrat und die Generalversammlung. Jedes Genossenschaftsmitglied musste einen Genossenschaftsanteil in Höhe von zehn Kronen sowie Einschreibungsgebühr, welche der Vorstand festsetzte, entrichten. Untergebracht war die Spar- und Darlehenskasse im Pfarrhaus. Ihre Dienste konnten die Kunden und Mitglieder jeden Sonntag nach der Messe in Anspruch nehmen. Im Jahre 1903 wurde vom Staat das Genossenschaftsgesetz beschlossen, dem zufolge Genossenschaften einem Genossenschaftsverband angehören mussten. Die Spar- und Darlehenskasse Ludmannsdorf trat dem slowenischem Genossenschaftsverband in Ljubljana bei.
Die Ludmannsdorfer Kreditgenossenschaft hatte bis zum Zweiten Weltkrieg 206 Mitglieder aus allen Orten der Gemeinde Ludmannsdorf, wovon die meisten Landwirte und Keuschler sowie Gewerbetreibende (Kaufleute, Gastwirte, Schuster) waren. Die Zahl der Mitglieder beweist die große wirtschaftliche Bedeutung der Genossenschaft. Sie war eine Institution organisierter Selbsthilfe. Vor ihrer Gründung liehen sozial besser situierte Ludmannsdorfer hochverzinstes Geld den weniger vermögenden Gemeindebürgern. Für viele waren solche Schulden eine große Last. Die slowenischen Spar- und Darlehenskassen unterstützten ihre Mitglieder bei der Gründung eigener Gewerbebetriebe und Industrien, unterstützten aber auch die Arbeiterbewegung.
Im Jahre 1921 wurde der Verband slowenischer Genossenschaften in Klagenfurt gegründet, dem die Spar- und Darlehenskasse Ludmannsdorf als Mitglied beitrat. Heute ist die Zveza-Bank und Revisionsverband der Dachverband der eigenständigen Posojilnica-Banken Südkärntens.
Bis zum Zweiten Weltkrieg arbeitete die heimische Kreditgenossenschaft in Ludmannsdorf geordnet weiter. Wie auch in anderen Lebensbereichen hinterließen die Kriegswirren auch hier ihre tiefen Spuren und Veränderungen. Im Jahre 1942 wurde die slowenische Spar- und Darlehenskasse aufgelöst und in Raiffeisenkasse Ludmannsdorf, registrierte Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung, umbenannt. Die Zahl ihrer Mitglieder sank jedoch rapide. Nach dem Beitritt neuer Mitglieder zählte die Raiffeisenkasse im Jahre 1946 trotzdem nur vierzig Mitglieder.
Am 6. März und 18. Dezember 1946 fasste die Kärntner Landesregierung den Beschluss, die vor dem Zweiten Weltkrieg gegründeten slowenischen Kredit- und Warengenossenschaften in ihrer ursprünglichen Form wieder herzustellen, das konfiszierte Vermögen zurückzugeben und ihnen die Rechte als Kredit- bzw. Warengenossenschaft wiederzugeben. Auch die während des Krieges ernannten Mitglieder der Genossenschaftsorgane wurden entlassen. Neben der Spar- und Darlehenskasse in Ludmannsdorf wurden zu dieser Zeit fast alle anderen slowenischen Kredit- und Warengenossenschaften neu gegründet.
Die Wiederherstellung sowie die weitere Arbeit der Spar- und Darlehenskasse in Ludmannsdorf wurde von einigen Leuten markant geprägt. Unter ihnen war auch Hanzi Reichmann vlg. Bvažič aus Edling, der sich an diese Zeit so erinnert:
"Vor dem Krieg hatten wir Slowenen unsere eigene Bank. Als Hitler kam, wurde sie uns genommen. Nach dem Krieg gab den Anstoß für die neuerliche Gründung der slowenischen Spar- und Darlehenskasse Janko Ogris vlg. Miklavž. An einem Sonntag nach der Messe sprach er mich an, ich solle mit ihm zum Odrajc gehen, wo die Vorstandsmitglieder der Raiffeisenkasse eine Versammlung abhielten. Am Ende der Versammlung meldete sich Janko Ogris zu Wort und sagte: "Unsere Familie wurde, wie andere Familien auch, ausgesiedelt. Als wir wieder heimgekehrt waren, wurde uns unser Besitz wieder gegeben. Genauso wollen wir auch unsere Bank wieder haben."Die anwesenden Vorstandsmitglieder nahmen seinen Vorschlag an, den der Vorsitzende bestätigte. Herr Ogris sagte damals zu mir: "Hanzi, du wirst unsere Posojilnica übernehmen." So übernahm ich die Posojilnica und wurde ihr Kassenführer. Später versammelten wir uns zur ersten Vorstandssitzung, um die Übernahme und Neuordnung durchzuführen. Der Geldbetrag, den wir übergeben bekamen, war minimal."
Auch nach dem Krieg führte die slowenische Spar- und Darlehenskasse ihre Geschäfte eine Zeit lang im Pfarrhaus. Als der Verband der slowenischen Genossenschaften in Kärnten anfing, weitere Warengenossenschaften zu gründen, hatte man in Ludmannsdorf keinen passenden Lagerraum, um Getreide, Kunstdünger und ähnliches zu lagern. Die Genossenschaft fand ihren Platz im Anwesen des Valentin Kropiunik, wo die gängigen Futtermittel gelagert und verkauft wurden. Außer der Warenabteilung übersiedelte auch die Spar- und Kreditabteilung ins Haus der Familie Kropiunik. Als Herr Valentin Kropiunik erkrankte, übersiedelte die Posojilnica nach Edling zum Bvažič, wo im Haus des Kassaführers Hanzi Reichmann die Spar- und Kreditgeschäfte getätigt wurden. Hanzi Reichmann bürgte für so manchen Kreditnehmer selbst mit seiner Unterschrift und half so den Betroffenen. Er war 23 Jahre lang Kassaführer der Posojilnica. Nach ihm übernahm diesen Posten Herr Jozi Boštjančič, der damals auch Geschäftsführer der Warenabteilung war. In dieser Zeit war die Spar- und Darlehenskasse Ludmannsdorf eine gemischte Genossenschaft, d. h. eine Genossenschaft mit einer Geld- und einer Warenabteilung.
Der erste Vorsitzende der Spar- und Darlehenskasse nach dem Zweiten Weltkrieg war Gregor Jerolič vlg. Kržej, der auch schon vor dem Krieg den Vorsitz führte. Ihm folgten Rupert Gasser vlg. Rigelnjak, Mihael Kulnik vlg. Pipan, Mihael Zablatnik vlg. Kumer und Anton Krušic vlg. Rupi. Seit der Fusionierung der Posojilnica-Bank Ludmannsdorf/Köttmannsdorf und Keutschach/Schiefling im Jahre 1990 führt Obmann Hermann Jäger aus Schiefling den Vorsitz im Vorstand.
In den 50er-Jahren wurde mit der Hilfe des Verbandes slowenischer Genossenschaften in Klagenfurt das erste eigene Gebäude der Posojilnica Ludmannsdorf errichtet. Somit konnten der Bankbetrieb wie auch die Warenabteilung in ihren eigenen Räumlichkeiten arbeiten. Dennoch war für einige Zeit der Bankbetrieb nur sonntags nach der ersten Messe geöffnet. Als die Geschäftstätigkeit sowohl am Waren- wie auch am Geldsektor zunahm, entschloss man sich für tägliche Geschäftszeiten.
Bis zum Jahre 1984 wurde die Posojilnica-Bank Ludmannsdorf als gemischte Genossenschaft geführt. Nach der Ausgliederung des Warensektors in eine Zadruga-Genossenschaft wird sie ausschließlich als Bankbetrieb geführt. Obwohl sie ihren Geschäftsbereich stets verändert und den Anforderungen angepasst hat, so ist ihre ökonomische Bedeutung für Ludmannsdorf geblieben. Heute ist die Posojilnica-Bank eine Finanzinstitution, die ausnahmslos allen ihre Dienste anbietet. Franz Kristof, Geschäftsleiter der Posojilnica-Bank Ludmannsdorf, beschreibt ihre Aufgabe mit den Worten: "Wir sind ein wirtschaftliches Unternehmen, das für jeden, der unsere Dienste in Anspruch nehmen will, die Türen weit offen hält. Es ist und bleibt uns aber bewusst, aus welchen Wurzeln wir entstammen."
In den nun neuerrichteten Räumlichkeiten ist ausreichend Platz für das Geschäftliche der Bank, wie auch für das Kulturelle und Bildende. Damit ist die Posojilnica-Bank in Ludmannsdorf nicht nur ein Wirtschaftsstandort, sondern auch ein Ort der Begegnung und Toleranz sowie ein Ort der Verbindung und Achtung der hier lebenden Bevölkerung.
POLONA SKETELJ